Unperfekt sein

Viele von uns haben mit den Jahren gelernt, dass es besonders wichtig ist, das, was wir tun, gut zu machen. Als Kinder wollten wir unseren Eltern gefallen, in der Schule sind wir den guten Noten hinterhergehechtet, für das Date wollen wir perfekt gestylt sein, im Berufsleben sollen wir „alles richtig“ machen und die Wohnung muss aussehen wie im Möbelkatalog. Spätestens, wenn wir mit Kindern zusammenleben, merken wir, dass von all dem gelernten Perfektionismus nur noch ein Teil erfüllbar ist. Vielleicht machen wir uns selbst manchmal zu viel Druck. Ein anderes Mal nehmen wir vermeintliche Erwartungen anderer als Druck wahr. Wie auch immer es dazu kommt, dass wir denken, wir müssten auch noch zwischen Windeln wechseln, Mathe üben oder Tränen trocknen perfekt sein: Wir müssen das gar nicht! Im Gegenteil: Unseren Kindern können wir wunderbar vorleben, dass wir auch – oder vor allem – als unperfekte Menschen ein zufriedenes Leben führen können. Das entspannt für alle Familienmitglieder das Zusammenleben und auch Partner und Kinder können dann einfach mal fünf grad sein lassen. Auch, wenn niemand perfekt ist, so sind wir doch alle auf unsere Weise vollkommen. Und das ist doch wundervoll, oder? Für etwas mehr Gelassenheit im Familienalltag, hier ein paar Zaubertricks:

Trick 01:
Abschiedsbrief

Schreibt für Euch als Familie oder für Dich einzeln auf einen Zettel all das auf, was Ihr loslassen könnt und wollt. Sammelt ein paar Ideen von dem, was Euch im Alltag immer wieder bei Euch auffällt: Wo nehmt Ihr es besonders genau? Wo seid Ihr akribisch penibel? Wo putzt Ihr womöglich zweimal drüber, obwohl einmal auch genügt? Wo habt Ihr sehr hohe Ansprüche an Euch oder andere? Wo denkt Ihr vielleicht mehr drüber nach, was andere darüber denken könnten? Schreibt all das auf, was Euch einfällt – auch hierbei könnt Ihr schonmal üben, unperfekt zu sein:) Verschließt dann den Abschiedsbrief und bringt ihn zum Altmüll oder werft ihn in den Holzofen. Macht ein kleines Ritual daraus und befreit Euch so von Euren eigenen – zu hohen – Erwartungen.

Trick 02:
Fehlerparty

Ja klar, ein Fehler ist im ersten Moment etwas vermeintlich Schlechtes, weil wir das, was wir gemacht haben, SO eigentlich nicht wollten. Wir haben über das Leben hinweg gelernt: wir wollen, sollen, dürfen keine Fehler machen. Doch was passiert, wenn wir uns daran erfreuen, dass wir durch den Fehler etwas lernen können? Wie wäre es, wenn wir Fehler feiern würden? Beim nächsten Mal, wenn wir wieder in diese Situation kommen, haben wir die Chance, es anders zu machen, weil wir durch den Fehler etwas dazu gelernt haben. Wäre das nicht wundervoll? So entwickeln wir uns immer weiter und lernen von uns selbst das wichtigste für‘s Leben: Im Leben gibt es immer wieder neue Herausforderungen, mit denen wir lernen dürfen, umzugehen. Und wer könnte uns das besser beibringen, als unsere eigenen Fehler?