Zoff in der Familie

Alle „sitzen“ aufeinander, bei manch einem liegen vielleicht die Nerven schon blank, Streitereien sind an der Tageordnung. Da braucht es entweder eine Packung neuer Nervenseile oder ein paar hilfreiche Tricks. Mit meinen Zaubertricks möchte ich Euch dazu einladen, hinzuspüren, ob der ein oder andere Streit in der Familie vielleicht heißer gekocht wird als unbedingt notwendig. Es geht nicht darum, Unstimmigkeiten unter den Tisch zu kehren. Dennoch bin ich eine Freundin davon, die Wogen auch mal zu glätten bevor es eskaliert. Denn so viele Nervenseilpäckchen habe ich nicht auf Lager, um wirklich aus jeder Mücke einen Elefanten machen zu können. Falls Euch die Tricks anstrengend vorkommen: Überlget mal, wieviel Energie ein handfester Streit kostet und wie lange es dauert, bis Ihr von Eurer Wut und dem Ärger wieder auf einem gefühlten Normal-Level angekommen seid.

Trick 01:
Familienmaskottchen

Wählt gemeinsam als Familie in einem friedlichen Moment ein Familienmaskottchen aus. Stellt es der Familie als Stimmungswächter vor. Wenn‘s mal wieder Zoff um das beliebteste Spielzeug gibt und die Fronten verhärtet sind, holt das Familienmaskottchen zu Hilfe. Es hat besondere Fähigkeiten und kann als neutrale „Person“ zum Beispiel Flüsterfragen stellen oder einen Konflikt besänftigen. Macht vorher ein paar Regeln mit dem Familienmaskottchen aus, so dass auch in Streitsituationen alle bescheid wissen, z.B. „Das Familienmaskottchen hat es verdient, freundlich und liebevoll behandelt zu werden“ (also z:b nicht auf andere damit werfen etc.) Ihr könnt ihm natürlich auch einen Namen geben oder es zu bestimmten Situationen immer wieder verwenden…wenn sich die Kids nicht anziehen wollen, wenn‘s Essen gibt, wenn Zähneputzzeit ist usw.

Trick 02:
„Fräulein Tausendklug“ oder „Herr Oberschlau“

Sucht Euch als Eltern für diese ganz gemeinen Streitsituationen wiederkehrende Requisiten aus, die Euch im Handumdrehen zu „Fräulein Tausendklug“ oder „Herr Oberschlau“: Zuhörohren aus einem Haarreif gebastelt, eine alte Hornbrille aus Omas Nachtkästchen oder ein ausgedienter, weißer Kittel…Sucht Euch etwas aus, womit Ihr Euch im Handumdrehen verkleiden könnt. Verstellt dann Eure Stimme wie ein Besserwisser oder eine Schlauschleimerin. Beim ersten Mal werden die Kids in einer Streitsituation sehr überrascht sein, wenn Ihr so daher kommt und ungewohnt sprecht, und automatisch zur Ruhe kommen. Bei späteren Malen werden sie noch neugierig sein und es lustig finden. Irgendwann, wenn Ihr die Rolle öfter gespielt habt, werden die Kinder so reagieren „Wääääh, die schon wieder. Komm lass uns lieber vertragen, bevor die wieder mit ihrer komischen Stimme anfängt.“ Die Kids verbünden sich dann sozusagen „gegen“ Euch und es kehrt wieder Ruhe im Karton ein. Ein uralter Trick, der bei so ziemlich jeder Altersstufe funktioniert. Übrigens auch bei nervenden Ehepartner/innen!

Trick 03:
Flucht der Karibik

“Du Volldepp!“ schreit es aus dem Kinderzimmer. „Selber doofer Schleimpfosten!“ ruft jemand zurück. Volldepp, gutes Stichwort. Johhny Depp inspiriert Euch zur „Flucht der Karibik“. „Vorsicht, in Deckung! Hier herrscht dicke Luft!“ ruft ihr und alle wissen schon bescheid, dass die Flucht ergriffen werden muss. Packt Euer Luftschwert, symbolisiert mit der Hand eine Augenklappe und holt alle Piraten ins Versteck (z.B. In den Flur oder in ein anderes Zimmer). Versteckt Euch gemeinsam in sicherer Entfernung zum Feind Nummer 1: Die Dicke Luft! Vielleicht befindet sich in der Nähe Eures Verstecks eine Decke oder ein Pulli, damit Ihr Euch ein provisorisches Zelt bauen könnt. Denn dicke Luft bringt auch mal Regen, Blitz und Donner mit sich. Beobachtet, wie sich der Sturm im Kinderzimmer weiterentwickelt, Ihr seid in Eurem Versteck in Sicherheit und passt aufeinander auf. 
Auf diese Weise verbündet Ihr Euch gemeinsam gegen etwas, gegen die dicke Luft. Dadurch kehrt Neugierde ein, die Kids kommen von ihrem Streit erstmal mit den Nerven runter. Der unsprüngliche Streit rückt in den Hintergrund und löst sich entweder auf oder Ihr flüstert in Eurem Versteck, worum es bei dem Streit ging. Meistens hat dann aber eh keiner mehr Lust darauf, darüber zu diskutieren, weil die „Flucht der Karibik“ viel mehr Spaß macht.

Trick 04:
Flüsterpost

Flüstern statt Schreien. Kinder sind erstmal überrascht, wenn wir als Eltern unsere Stimme ganz leise machen. Das schafft Aufmerksamkeit für die Situation und hilft, wieder Ruhe in den Sturm zu bringen. Es ist so einfach und doch so wirkungsvoll. Wie Zauberei!

Trick 05:
Faulenzen

Ein gutes Ritual für Mamas, die sich KEINE Pausen gönnen:) „Jedes Mal, wenn die Kinder streiten, lege ich mich auf die Couch und ruhe mich aus.“ Die meisten Streitereien von Kindern lösen sich von selbst wieder auf. Kinder sind oft selbst in der Lage, ihre Turbulenzen zu klären. Wir Eltern können das nur nicht so gut aushalten und sind manchmal ungeduldig. Bitte achtet nach gesundem Menschenverstand darauf, wann Ihr Euch einmischt und wann nicht. Falls sehr kleine Kinder dabei sind, bitte rechtzeitig für deren Sicherheit sorgen. Wenn es ein „Da muss ich mich nicht unbedingt einmischen“-Streit ist, dann legt Euch doch einfach bei den Streitereien der Kids auf die Couch und macht ein paar tiefe Atemzüge. Aber Achtung, am Ende freut Ihr Euch noch, wenn die Kinder mal wieder streiten…